Ein Schäfchen Namens "Cyrilla"

Dunkle Nacht, Sturm, Wind und Regen, orkanartige Böen, Getöse, schrecklich .. schrecklich ...!! 

Das ist meine Geburtsstunde, eine Stunde die ich nicht recht einordnen kann. Mein Geschwisterchen, mit dem ich im Mutterleib herangewachsen bin liegt tot neben mir im kalten, nassen Gras einer Pferdeweide unter den Bäumen. Meine Eltern fliehen im Sturm, fliehen von diesem Ort der Geburt und dem schrecklichen Getöse. Sie haben keine Zeit mich mitzunehmen, mich in ihrer Freiheit aufzuziehen. Meine Eltern sind zwei Kamerunschafe die mal bei ihrem Besitzer ausgebüchst sind, und seit über 2 Jahren die Gegend zwischen Essen und Velbert durchstreifen. Sie können sich nicht um mich kümmern, können mich nicht aufziehen, müssen mich in dieser Stunde zurücklassen.

Wenige Stunden später, es ist schon hell, finden mich junge Menschen vom nahe gelegenen Reiterhof. Sie versuchen mich meinen Eltern zu geben, aber meine Mama nimmt mich nicht mehr an und flieht. Die jungen Menschen rufen bei "Tiere in Not Langenberg" an und erzählen von meinem jungen Schicksal. Die liebe Frau lässt mich sofort zu ihr bringen. Unterkühlt und hungrig beginnt nun mein Leben bei meiner Ersatzmama.

Da bin ich nun, noch wackelig auf meinen Beinchen, durstig und neugierig. Nach dem ersten Fläschchen Milch  muss ich alles beäugen und beschnuppern. Meine Ersatzmama nennt mich "Cyrilla" nach dem Sturm Kyrill, dem Sturm in dem ich geboren wurde. Cyrilla heißt nach dem griechischen "zu dem Herrn gehörend", ja das ist nun so, ich gehöre zu den Tieren bei meiner neuen Herde.

Meine neue Herde ist lustig, da sind große Zweibeiner, und kleine Vierbeiner. Von den Zweibeiner gibt es immer wieder Milch aus dem Fläschchen, die Vierbeiner lecken mir immer mein Maul sauber und meinen Popo. Sobald ich mich lautstark melde, ist jemand zur Stelle. Alle zwei Stunden gibt´s was zum trinken. Meine Ersatzmama, ich nehme sie nun als meine Mama an, hat mir einen kleinen Stall gemacht, mit Stroh und Decke darin. Da ist es so warm und wohlig.

Ich kann kaum einen Schritt auf meinen wackeligen Beinchen machen ohne das einer der beiden Vierbeiner um mich rum ist. Die zwei nehmen mich als Spielkameraden und als Freundin in ihr Rudel auf. Sie tollen mit mir rum, lecken mich zwischendurch immer wieder sauber. So schön kann ein Schafsleben sein.

Aber am liebsten bin ich bei Mama und Papa. Die sorgen sich so fest um mich, mir soll es an nichts fehlen, ich soll ja auch groß werden bei ihnen, soll ja später in ihrem Garten rumtollen und Gras fressen. Aber bis dahin ist noch eine lange Zeit, eine Zeit die ich im Hause mit meinen Freunden verbringe. Jeden Tag wird mein Durst größer, meine Beine standfester, mein Gang sicherer. Meine Mama und mein Papa rufen immer "Küri".. ich denke sie meinen mich damit. Also beginne ich mich dahin zu wenden, wenn ich "Küri" höre.

Abends nimmt mich Mama auch mal mit in das große Zimmer, da darf ich bei ihr auf dem Bauch liegen, darf auch rumtollen mit meinen Freunden, bekomme da auch mein Fläschchen.

Von Tag zu Tag werde ich größer, brauche auch schon ein größerer Stall in der Küche. In meiner dritten Lebenswoche fange ich auch an, am Heu zu knabbern, fange auch an mit den Vierbeinern rum zu bocken. Die zwei wachsen nicht, aber ich werde immer größer und kräftiger. Auch komme ich schon an höher gelegenes ran, und Papa muß alles beiseite räumen. .

Das Fläschchen ist auch meinem Durst angepasst worden, es braucht am Morgen schon zwei davon bis ich satt bin. Ich genieße mein Dasein voll und ganz.

Mama und Papa schmusen auch mit mir, ich darf abends zwischen den Mahlzeiten auch mal bei Papa auf dem Bauch schlafen, das gefällt mir sehr, das brauche ich auch. Meine Herde ist so lieb zu mir. Nur Nachts habe ich mein Problem, alleine schlafen mag ich nicht, da plärre ich lautstark rum. Aber es nützt nichts, ich muß alleine in meinem Stall die Nacht verbringen. Mein Papa meinte, ich werde bestimmt einen artgerechten Spielpartner bekommen, so in zwei drei Monaten etwa. Bis dann will er für uns einen Stall im Garten bauen, einen Stall für mich und meinen neuen Spielkameraden, er heißt "Chico" und ist nur zwei Wochen älter als ich.

In meiner vierten Lebenswoche bekomme ich nochmals einen größeren Stall. einen Laufstall mit Polsterbettchen. Da liege ich so gerne drin, es riecht nach meinen beiden Hundefreunden. 

Cyrilla´s erste Schritte im Garten (Video)

Bei schönem Wetter geht Mama oder Papa mit mir schon mal in den Garten. Da kann ich nach Herzenslust so richtig rumalbern. Mit großen Sprüngen und schnellem Rennen tobe ich mich da aus. Zwischendurch probier ich schon mal wie es ist Gras zu fressen. Wie ihr seht, habe ich hinten links einen weißen Streifen an meinem Bein, das ist mein Söckchen... lach!!

 

Rumtollen und Gras fressen macht auf Dauer Müde.. so nach einer halben Stunde will ich dann wieder rein in die warme Wohnung, in mein Laufstall. Nach einer Flasche Milch saufen, einem großem Pipisee auf dem Wohnzimmerboden geht´s dann ab in die Träume.

Tja, so ist es wenn man als Schaf unter Hunden groß wird, .. Aber....

Bin ich nun Schaf oder Hund???

(das fragen sich die Hunde auch; Bin ich Hund oder Schaf?)

 

 

Also nun bin ich schon bald 3 Monate alt und quirlig wie eh und je. In der Zwischenzeit habe ich eine Freundin bekommen. Mama und Papa haben bei einem Bauern in der Nähe die "Lucille" abgeholt, als Spiel- und Lebenskameradin für mich. Wir zwei mögen uns schon sehr. Am Anfang hat Lucille aber schon komisch reagiert, ich aber auch, Määäähh.  Als Papa den Stall für mich fertig gebaut und ihn auch gut eingezäunt hatte, durfte ich da einziehen. Etwa eine Stunde später wurde dann die kleine Lucille gebracht, und ich sah zum ersten Mal ein anderes Schaf. Lucille wollte dauernd an mich rankuscheln, ich kenn sie ja nicht und weiß nicht das Schafe das so machen. Das war mir nicht so geheuer, ich wollte erst mal auf den Arm von Papa. Die Lucille hatte aber noch nie mit Mama und Papa Kontakt gehabt, auch nicht mit anderen Menschen, sie war immer in einer Schafherde zuhause, und zeigte Furcht vor meiner Menschenherde. Also schmiegte sie sich immer an mich , ich wiederum schmiegte mich immer an Papa, der eine ganze Stunde bei uns im Stall blieb, bis wie uns aneinander gewöhnten. Papa hat dabei ordentlich blaue Flecken abbekommen. Ich über ihn, dann Lucille hinter mir her, auch wieder über ihn.. und so gings ein Weilchen, bis ich meine Angst von Lucille verloren habe. Ich weiß nun, ich bin ein Schaf, so wie Lucille. Obwohl sie 4 Wochen älter als ich ist, ist sie kleiner. Sie ist von einer kleineren Rasse "Kamerun-Schafe". Sie braucht auch kein Fläschchen mehr, sie frisst Kraftfutter und Heu. Das mache ich nun auch schon mehr und mehr. Wir zwei tollen viel in unserem neuen Gehege rum, immer zusammen. Lucille verliert auch ihre Angst von uns so langsam. Es geht jeden Tag besser, und in der Nacht kuscheln wir eng beieinander, geben uns Wärme und Sicherheit, so das wir nun ein echtes Schafsleben führen können. Auf dem zweiten Video seht ihr uns beide wo wir nun leben.  (Video von Cyrilla mit Lucille)

Bis bald.... Cyrilla