Erste Hilfe bei Hunden
Die meisten Menschen haben irgendwann einmal in ihrem
Leben einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, Kenntnisse erworben, verletzten
oder erkrankten Menschen im Notfall zu helfen. die Tierärztliche Praxis
jedoch zeigt, dass die meisten Tierbesitzer nicht in der Lange sind ihrem
oder einem fremden Tier in einer Notsituation Erste Hilfe zu leisten. Die
Ursache dafür liegt seltener im fehlenden guten Willen, als vielmehr in
mangelnden Kenntnissen und der Angst etwas falsche zu tun und somit
weiteren Schaden anzurichten. Jeder, der einen Hund besitzt, oder mit
Hunden in Beruf, bzw. Freizeit Umgang hat, sollte in der Lage sein, ihm im
Ernstfall Erste Hilfe zu leisten, um den Schaden zu begrenzen oder sein
Leben zu erhalten.
Der Begriff " Erste Hilfe " besagt, dass in den
meisten Fällen weitere Hilfe erforderlich ist, die von einem Tierarzt
durchgeführt werden muss. Bestehen Zweifel darüber, ob und wie schnell
diese Hilfe in Anspruch genommen werden muss, hilft Ihnen eine
telefonische Auskunft Ihres Tierarztes weiter. Jeder Tierbesitzer sollte
die genaue Anschrift und Telefonnummer seines Tierarztes immer bei sich
führen und wissen, wann dieser erreichbar ist (Sprechzeiten). Nachts, an
Wochenenden oder Feiertagen sollte Sie wissen, welcher Tierarzt Notdienst
hat. Bei Hundesportveranstaltungen sollte das im voraus bekannt sein.
Ist ein Notfall eingetreten, und muss das Tier zum
Tierarzt gebracht werden, ist es zweckmäßig den Besuch und die
voraussichtliche Ankunftszeit telefonisch anzukündigen, damit in der
Tierarztpraxis vorbereitende Maßnahmen getroffen werden können.
Jede Erste Hilfe ist nur so gut, wie es die Bedingungen
und Hilfsmittel erlauben. Wertvolle Dienste leistet ein sinnvoll
ausgestatteter Erste-Hilfe-Behälter. Er kann in einem Schrank
(Vereinsheim) oder in Form eines Koffers im Auto mitgeführt werden.
ERSTE-HILFE-KOFFER: Grundausstattung
Taschenlampe: ausreichende Beleuchtung bei schlechten
Lichtverhältnissen, genaue Untersuchung von Augen/Ohren.
Schere: Entfernen von Haaren um eine Wunde, Schneiden von
Verbandmaterial (wegen Verletzungsgefahr möglichst mit abgerundeten
Spitzen und leicht gebogen).
Pinzette: Entfernung kleiner Fremdkörper
(Dornen/Insektenstachel).
Fieberthermometer
Holzstab (2 cm breit, 15 cm lang): Herstellung einer
Aderpresse.
Zeitung (dick): Herstellung einer Beinschiene.
Staubinde: Herstellung einer Aderpresse.
Band (1-1,5 m lang: breite elastische Binde oder
Schlauchverband): Zubinden des Fangs.
Wärmeflasche: Unterkühlung / Schock.
Kühlkissen (die nicht vorgekühlt werden müssen:
Apotheke): Hitzschlag/Schwellungen/Blutungen.
Sterile Wundkompressen: Abdeckung offener Wunden.
Watte: Auftupfen von Wunddesinfektionsmittel.
Verbandwatte (10 cm breit, elastisch: 3 x): Verbände.
Klebeband (4 cm breit, Rolle): Fixation von Verbänden.
Elastische Binden (10 cm u. 15 cm breit: je 1 x): Bauch-
und Brustverbände.
Wasserstoffsuperoxyd 3 %ig (Apotheke): Wundreinigung.
Wundsalbe (Tierarzt): Versorgung kleiner Wunden.
Decke: Unterkühlung / Schock / Transport.
Leine und Halsband (Kettenglied-Würger): Festhalten von
fremden Tieren.
Borwasser (möglichst in Kunststoffspritzflasche):
Augenspülung.
Spezielle Medikamente dürfen nur nach Absprache mit einem
Tierarzt in die Erste-Hilfe-Apotheke aufgenommen werden. Ihr
Verwendungszweck und die Art der Anwendung muss allen Personen, die Zugang
zu diesen Medikamenten haben, bekannt sein. Das Verfalldatum muss auch bei
Tierarzneimitteln beachtet werden.
Oberstes Gebot bei jeder Erste-Hilfe-Leistung am Tier ist
der Schutz der beteiligten Personen. Verletzte Tiere, die unter
Schockeinwirkung stehen, Angst oder Schmerzen haben, wehren sich häufig
durch Beißen und Abwehrbewegungen (auch eigene Tiere!!) gegen helfende
Maßnahmen.
Nähern Sie sich einem verletzten Tier immer vorsichtig
und langsam, besonders wenn es ein fremdes Tier ist. Sprechen Sie das Tier
mit ruhiger Stimme an, auch wenn das manchmal schwer fällt ! Beobachten
Sie die Reaktion des Tieres genau - auch helfende Hände werden gebissen !
Leinen Sie das Tier immer zunächst an, damit es Ihnen nicht davon läuft.
Sind Sie alleine, binden Sie die Leine um einen festen Gegenstand (z. B.
Zaunpfosten) und ziehen den Kopf des Tieres so nah wie möglich an diesen
Gegensand heran und binden die Leine Kurz an. Damit ist die
Bewegungsfreiheit des Kopfes weitgehend eingeschränkt.
Wenn Sie wenigstens zu zweit sind, empfiehlt es sich den
Fang des Tieres zuzubinden. Der Hund wird dabei von einer Hilfsperson von
hinten rechts und links am Kopf gehalten. Eine zweite Person
bereitet eine Schlinge in Mitte des Bandes um den Fang des Hundes gelegt
und fest (!) zugezogen. Anschließend werden die Enden unter dem Fang
überkreuzt und im Nacken des Hundes sicher verknotet. Der ganze Vorgang
sollte sicher und zügig durchgeführt werden, bevor der Hund durch
Abwehrreaktionen die Schlinge abstreifen kann. Ist kein Band zur Hand,
kann eine Sicherung des Fangs auch mit einer Leine vorgenommen werden, die
am Halsband befestigt 2 - 3 x um den Fang geschlungen wird. Das Ende wird
zusammen mit dem Halsband gut festgehalten.
In folgenden Situationen darf ein Hund nicht zugebunden
werden:
1. Bewusstlosigkeit
2. Hitzschlag
3. Atembeschwerden / Nasenbluten
4. Verletzungen im Bereich des Fangs
5. Herz-/Kreislaufbeschwerden
6. Erbrechen in kürzen Abständen
Sollte ein zugebundener Hund während der Hilfeleistung
oder auf dem Transport Anzeichen von oben beschriebenen Zuständen zeigen,
ist die Schlinge sofort zu beseitigen. Die Beruhigung des Tieres sollte,
wenn möglich von einer dem Tier vertrauten Person übernommen werden. Sie
sollte den Kopf des Tieres halten und durch beruhigendes Streicheln und
Reden auf es einwirken.
Diese Reihe über Erste-Hilfe-Maßnahmen wird fortgesetzt.
Dr. vet. Elmar Schilken,
Velbert

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