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Tierfeindliche Haltungssysteme Strukturlose Behausungen für KleintiereDie Deutschen sind tierlieb - so die Statistik der Heimtierhaltung. Nie zuvor wurden in unseren Haushalten so viele " Streichel- und Hobbytiere " gehalten wie zur Zeit. In 34 Prozent aller Haushalte bellt, miaut und zwitschert es. Fast 6,2 Millionen Katzen, annähernd 5,1 Millionen Hunde und dieselbe Anzahl Ziervögel, ca. 80 Millionen Fische und etwa 4,0 Millionen Kleintiere (Hamster, Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Mäuse, Ratten, Gerbils u. a. ) werden von ihren Tierhaltern gehegt und gepflegt. Die Leidenschaft der Heimtierhaltung kostet die Deutschen mehr als 4,5 Milliarden Mark im Jahr. Doch die Zahlen dokumentieren nicht, wie die Kehrseite der vermeintlichen Liebe zum Tier aussehen kann. Viele Heimtiere leiden stumm in ihren strukturlosen Behausungen: Vögel vegetieren in kleinen Käfigen dahin, ohne dass ihnen die Möglichkeit des Fliegens gewährt wird. Der Lebensraum vieler Kleintiere gleicht eher einem Gefängnis, in dem sie ihre arteigenen Verhaltensweisen niemals ausleben können. Dennoch werden diese Haltungssysteme in fast jedem Zoogeschäft angeboten. Hinzu kommen zahlreiche Spielzeuge für Kleintiere, die meist unsinnig und sogar gefährlich sind. Grund genug, an der Tierliebe der Deutschen zu zweifeln ? Auch Tierärzte monieren - tierschutzwidriges Zubehör die anfänglich verhaltene Kritik an der Heimtierhaltung wird - im Sinne der Tiere - endlich lauter. Die Diskussion um tierschutzwidrige Haltungssysteme und ungeeignetes Zubehör des Heimtiermarktes ist in Bewegung geraten. In der Auseinandersetzung um sinnvolles Zubehör, aber auch um die Tiergerechtheit vieler im Zoohandel angebotenen Haltungssysteme für Kleintiere haben die Tierschutzverbände erfreulicherweise in jüngster Zeit Unterstützung durch Tierärzte erhalten. Im Juni dieses Jahres veröffentlichte die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) eine Checkliste mit tierschutzwidrigem Zubehör, das das Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigt oder sogar ihr Leben unmittelbar gefährden kann. Nach Tierarten geordnet, werden die eklatantesten Mängel des Zubehörsortiments besprochen. Auch innerhalb der Interessenvertretung des Zoofachhandels wird die Thematik heftig diskutiert: Von Selbstbeschränkungen, Positiv- und Negativlisten ist da die Rede. Wir stimmen in vielen Punkten der Checkliste der TVT zu und nehmen deshalb in den nachfolgenden Ausführungen größtenteils darauf Bezug: I. Vogelhaltung - Vögel wollen fliegen Alle Vögel haben von Natur aus das Bedürfnis zu fliegen. Hierbei unterscheiden sich die sog. Zier-, Heim- oder Liebhabervögel nicht von ihren wildlebenden Artgenossen. Herkömmliche Vogelbauer, in denen die Tiere aufgrund der geringen Käfiggröße nur hüpfen können, entsprechen keiner artgemäßen Tierhaltung. Diese Käfige können nicht mehr als ein Ruhe-, Futter- und Rückzugplatz sein. Empfehlenswert ist die Haltung von Ziervögeln in Zimmervolieren, in denen sie nicht nur fliegen können, sondern durch entsprechende Ausstattung auch ausreichende Deckungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Zusätzlich sollte den Vögeln ausreichend Freiflug ermöglicht werden. Rundkäfige - nur etwas für das menschliche Auge Obwohl bereits vor mehr als 10 Jahren Rundkäfige aus Tierschutzgründen kritisiert wurden, sind diese Vogelbauer noch immer im Handel erhältlich. Mehr noch als in eckigen Käfigen ist der Aktionsradius von Vögeln in Rundkäfigen eingeschränkt. Entgegen dem Bedürfnis der Tiere, weitestgehend horizontal zu fliegen oder zu hüpfen, können sich die Vögel in Rundkäfigen nur von unten nach oben bzw. umgekehrt bewegen. Durch die Einschränkung der Bewegungsabläufe und der ständigen Fehlbelastung des Skeletts leiden die Tiere. Da Rundkäfige nicht artgerecht strukturiert werden können, haben die Vögel extrem große Orientierungsschwierigkeiten - dieser Faktor erhöht die Stressbelastung zusätzlich. Tödliche Gefahr - Kunststoffsitzstangen Eine Eigenart von Papageienvögeln (Psittaciden) ist das Benagen von Gegenständen. Hierbei unterscheiden sie nicht zwischen natürlichem Material wie Ästen, Sisalschalen oder Hirsestangen. Alles, was in den Schnabel passt, wird auf seine Bruchfestigkeit getestet. Plastiküberzogene Gitterstäbe oder Sitzstangen aus Kunststoff bergen hierbei eine tödliche Gefahr, wenn sie abgenagt, zerbissen und Teile heruntergeschluckt werden. Kunststoffsitzstangen sind aber auch bei Kleinvögeln anzulehnen, wenn sie zu glatt sind und den Füßen somit keinen ausreichenden Halt geben. Durch scharfkantige Riffelungen der Oberfläche kann es besonders bei Wellensittichen zu nicht heilbaren Druckgeschwüren kommen. In der Vergangenheit wurden auch immer wieder Sitzstangen mit Sandpapierumhüllungen angeboten. diese führen zwangsläufig zur Verletzung der Ballenhornhaut und schlecht heilenden Wunden an den Füßen der Vögel und sind daher als tierwidrig einzustufen. Die Lösung des Problems ist denkbar einfach: Äste, die teils waagerecht, teils wie gewachsen im Käfig (Voliere) angebracht werden, nehmen die Vögel gerne an, zudem sind sie ideal zum Klettern und Benagen und dienen gleichzeitig der Fußgymnastik. Plastikvogel - falscher Partner begünstigt Verhaltensstörungen Vögel sind naturgemäß mit einem reichen Verhaltensrepertoire ausgestattet. Je naturverbundener der Lebensraum gestaltet wird, desto interessanter ist es, die Tiere zu beobachten. Die Mehrzahl der Stubenvögel vegetiert jedoch allein in einer reizarmen Umwelt dahin. Allenfalls ist der Käfig mit einigem Firlefanz wie Glöckchen, Seilen, Rechenmaschinen, Plastikvögeln, Spiegeln o. ä. ausgestattet. Zur artgemäßen Unterbringung leisten diese Gegenstände aber keinen Beitrag. Im Gegenteil: So bergen locker aufgedrehte oder geflochtene Seile die Gefahr der Strangulation von Kopf und Gliedmaßen. Plastikvögel und Spiegel täuschen einen Partnerersatz vor. Mit verheerenden Konsequenzen: In dem Glauben, seinen Partner mit aufgenommenem Futter zu erfreuen, füllt der Vogel seinen Kropf über die Maßen. Dadurch kann es zu Kropfentzündungen kommen. Fazit: Verhaltensstörungen nehmen durch den künstlichen Sozialpartner nicht ab, sondern eher zu. II. Kleintiere Hamsterkugel - ein Spielzeug wird zur Todesfalle Das Angebot an Spielzeugen im Kleintierbereich ist schier unendlich. Besonders für Hamster wurden von findigen Marketingstrategen Spielzeuge entwickelt, die den Betrachter zwar erfreuen mögen, für die Tiere aber zur tödlichen Falle werden können. Wie zum Beispiel die sogenannte Hamsterkugel: Gemeint ist eine transparente Plastikkugel von unterschiedlichem Durchmesser, die mit kleinen Lüftungsschlitzen versehen ist. In diese wird das Tier hineingesetzt. Durch eifriges Laufen setzt der Hamster die Kugel in Bewegung, ohne dass er weder die Geschwindigkeit noch die Bewegung der Kugel steuern kann. Erhebliche Verletzungsgefahren bergen die Kugeln, wenn sie an Wände stoßen oder von erhöhten Flächen, z. B. Tisch, Stuhl, Treppe, herunterfallen. Hinzu kommt, dass durch die kleinen Luftschlitze die Luftversorgung für den zwangsweise in Aktivität gesetzten Hamster unzureichend ist. Ein fragwürdiger Spaß, der viele Hamster das Leben kostet. In die gleiche Kategorie der todbringenden Spielzeuge fallen auch Plastikröhrensysteme, mit denen der Bau der unterirdischen Gangsysteme der Hamster nachempfunden werden soll. Je nach Aufbau können die " eingefüllten " Tiere sich heraus nicht mehr selbständig befreien. Konstruktionen, bei denen die Röhren senkrecht abfallen oder stark geneigt sind, führen zu Prellungen oder Knochenbrüchen, wenn die Tiere hindurchrutschen und am Ende aufschlagen. Zudem können die Röhren nur schlecht gereinigt werden; der Luftaustausch ist wie bei den Hamsterkugeln unzureichend.
Laufrad - ein Knochenbrecher Ein wesentlicher Bestandteil der Käfigausstattung des Hamsters ist das Laufrad. Dies soll dem Hamster das Leben in seiner Behausung erträglicher machen, indem er sein Bewegungsbedürfnis im Laufrad befriedigen kann. Einige Laufräder sind jedoch eher geeignet, den Tieren die Knochen zu brechen als ihrem Wohlbefinden zu dienen. Um Verletzungen möglichst auszuschließen, müssen Laufräder, die an der Käfigwand befestigt sind, an der Rückseite der Lauftrommel geschlossen sein. Laufräder, mit Befestigung an einem Ständer mit beidseitiger Einstiegsmöglichkeit, können Verletzungen durch Einklemmen der Gliedmaße zwischen Laufrad und Trommel hervorrufen und sind deshalb genauso abzulehnen wie Laufräder aus Speichen. Laufräder aus Kunststoff sind gleichfalls ungeeignet, da sie gerne angenagt werden und die Spitzen den Tieren Verletzungen zufügen. Geschlossene Behältnisse - Leben unter der Käseglocke Heimtiere machen Schmutz. Mit dieser Tatsache hat sich jeder Kleintierhalter auseinanderzusetzen. Aber auch hier hat die Heimtierindustrie eine Lösung bereit. Um den Verschmutzungsgrad der Wohnung zu minimieren, werden Käfigsysteme angeboten, deren Oberteil aus einer durchsichtigen Plastikhaube besteht. Die Tiere leben quasi unter einer Käseglocke, ohne den Tierbesitzer durch Schmutz oder unangenehme Gerüche zu belästigen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass in dem begrenzten Luftraum die Schadgaskonzentration schnell ansteigt. Schleimhautreizungen, Lungenentzündungen, Hautschäden und sogar der Tod des Tieres können die traurige Folge sein. III. Fische / Reptilien Aquarien in Säulenform - Grenzenloser Unsinn und Strafe für jeden Fisch " Aquarien bringen ein Stück Natur ins Wohnzimmer ", so lautet ein Werbespruch der Aquaristik. Bei manch einem Zeitgenossen passt aber das rechteckige Standardaquarium nicht zur modernen Einrichtung. Auch hier kann die Heimtierbranche Abhilfe schaffen. " Designeraquarien " in Säulenform passen zu jeder futuristischen Wohnung und werden zum Blickfang des Betrachters. Dem Wohlbefinden der Fische sind diese Aquarien jedoch abträglich ! Sie bieten den Fischen wegen fehlender räumlicher Tiefe keine ausreichende Bewegungsmöglichkeit. Außerdem können keine stabilen Wasserwerte erreicht werden. Gleiches gilt für die Goldfischkugeln, die eigentlich seit Jahrzehnten der Vergangenheit angehören sollten, in einigen Zoohandlungen oder Tiermärkten leider immer noch angeboten werden. Unsinnig und tierfeindlich sind auch viele serienmäßig hergestellte Haltungsanlagen für Reptilien. Oft sind sie zu klein oder so ausgestattet, dass sie den Ansprüchen der Tiere nach artgemäßer Bewegung nicht im mindesten gerecht werden. Zu nennen sind hier beispielsweise Mini-Terrarien für Wasserschildkröten mit sogenannten Schildkröteninseln. Neben der zu geringen Größe fehlt es oft an allen Ausrüstungsgegenständen wie Wasserfilter, Heizung, Beleuchtung und UV-Strahler. Fehlerhaft ist oft auch die Anordnung der Lüftungsschlitze. Falsch angeordnet erlauben sie keine richtige Durchlüftung und sind durch die Stauluft mitverantwortlich für das Auftreten von Krankheiten. Gütesiegel für tiergerechte Produkte - Zoofachhandel beim Wort nehmen Dass es so nicht weitergehen kann, sieht auch der Zoofachhandel ein. Erste Bemühungen, tierschutzwidriges Zubehör aus dem Zoohandel zu entfernen, unternahm Ende 1996 der Zentralverband der Zoologischen Fachgeschäfte Deutschlands (ZZF). Mit der Zusammenstellung einer Liste von Heimtierprodukten, bei denen Zweifel bestehen könnten, ob sie den Anforderungen der §§ 1 und 2 Tierschutzgesetz entsprechen, setzte der ZZF eine interne Diskussion in Gang. Seither wurde zwar viel über Negativlisten für tierschutzwidrige Produkte oder über ein Gütesiegel für tiergerechte Produkte diskutiert, an dem Verkaufssortiment der Zoogeschäfte hat sich bisher jedoch kaum etwas geändert. Es ist an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen. Jeder Tag, an dem weiter geredet wird, werden bundesweit Hunderte von tierfeindlichen Haltungssystemen oder Zubehörartikel verkauft. Nur die Umsetzung einer Negativliste kann dem ein Ende bereiten. Text: Dr. Styrie aus : Das Recht der Tiere 4/1998
Anmerkung von uns: Wir denken nicht, dass nur eine Negativliste etwas bewirken kann. Sicherlich ist die Umsetzung einer Negativliste sehr wichtig, aber noch wichtiger ist die Nutzung der Vorteile der freien Marktwirtschaft! Denn sie wirkt schneller auf den Markt als freiwillige Selbstauflagen. So kann schon heute jeder von Ihnen etwas zum Tierschutz beitragen:
Viel Spaß bei der aktiven Tierschutzarbeit !!!
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