Non comprende - oder was ?
Es war einmal mehr einer dieser verregneten Tage an dem die
liebe Uta mich fragte, ob ich sie begleiten möchte auf eine Reise nach Spanien,
um dort Hunde zu holen.
Zwischen Planung und Abflug standen hektische Tage bzgl.
Organisation der Versorgung aller Daheimgebliebenen, aber irgendwann saßen wir
im Flieger Richtung Süden. Wir verbrachten drei wunderbare Tage, die für sich
ereignisreich genug gewesen wären, um eine eigene Geschichte darüber zu
schreiben. Für den vierten Tag nahmen wir uns vor, die Perrera, das Tierheim,
aufzusuchen, um nach vermittelbaren Hunden Ausschau zu halten. Ich kannte
bereits eine Vielzahl von heimischen Tierheimen und stellte mir ein spanisches
Tierheim ähnlich vor. Vor meinem geistigen Auge sah ich Hunde in sterilen
Boxen, mit Liegeplatz und Decke, sauberen Näpfen und traurigen
Augen.
Schon unsere Tierheime habe ich nie als schön empfunden,
aber das hier schlug alle meine Erwartungen. Wir wurden empfangen von einer
Frau, deren Alter man kaum zu schätzen vermochte, hinter all den Sorgenfalten
und dem erarbeiteten Schweiß auf ihrer Stirn. Sie hatte allerlei traurige
Geschichten zu erzählen und führte uns auf einen staubigen Hof, gefolgt von
unzähligen kleinen und großen Hunden, die aufgeregt wedelten und bellten. Mein
Blick schweifte nach links ab und ich sah auf einen Gruppenzwinger, in dem sich
vier Hunde um eine mittig stehende Holzhütte tummelten. Auf dem Dach der Hütte
stand, wie eine Säule, ein braun-weiß gefleckter Hund, der mir gleich ins Auge
fiel.
"Ist die aber schön", dachte ich, während ich
den zweibeinern folgte und den Gesprächen lauschte. Der Anblick dessen, was
sich hier Tierheim nannte, machte mich traurig. Hier herrschte ein einziges
Chaos, wild durcheinander tummelten sich Hunde zwischen alten Matratzen, Eimern,
Werkzeug, Planen und weiß der Kuckuck noch alles . Am Ende der Begehung stand
ich vor den Tieren und heulte wie ein kleines Kind. " Komm wir wollen Fotos
machen ", hörte ich Utas Stimme hinter mir, aber immer wieder zog es mich
wie magisch zu der bunten Hündin, die dort auf der Holzhütte stand. "Was
ist mit ihr ?", fragte ich. Sie sei ein Jahr alt und ihr Name sei Mona,
bekam ich zur Antwort. Sie wurde als Welpe gefunden und galt als nicht
vermittelbar, weil sie so wild sei. Ich fragte mich, wie viel schöner ein Hund
eigentlich noch sein kann, um für ein Herrchen oder Frauchen ansprechend
zu sein. Mein Herz hatte sie im Sturm erobert. Ich kniete vor dem Zwinger und
sprach sie an, und sie freute sich sichtlich darüber. Ich fragte, ob ich den
Zwinger betreten dürfte um Fotos zu machen. Schnell wurde mir klar, was mit
"wild" gemeint war, denn gleich alle vier Hunde sprangen an mir hoch,
als hätte ich Wurst in den Haaren. Ich verknipste fast den ganzen Film, um
wenigstens ein gutes Foto von ihr zu erhalten, denn keiner der Hunde hielt auch
nur einen einzigen Moment still. Als ich die Zwingertür hinter mir schloss, sah
meine Haus wie eine Landkarte aus, so sehr hatten mich die Hunde
zerkratzt.
Noch im Zwinger stand mein Entschluss fest und als ich vor
dem Törchen stand, schwor ich diesem Hund, ihn hier heraus zu holen. Ich
wusste, dass ich schon bessere Ideen hatte, denn einen Hund zu halten, der sich
bis dahin selbst erzogen hatte - und das bei drei Kindern und ca. 40 weiteren
Tieren - würde sicher nicht ganz einfach werden. Aber, gesagt ist gesagt.
Telefonisch ließ ich meinen Charme und meine Überzeugungskünste spielen, um
meinen Partner davon zu überzeugen, dass wir wohl bald einen neunen Hund haben
würden. Nicht dass wir uns dringend noch einen Hund anschaffen müssten, aber
der Hund müsste sich doch dringend neue Menschen anschaffen.
Drei Wochen später war es dann so weit. Ich lud unseren
Doggen-Mix ins Auto und fuhr zum Flughafen, schließlich kannte Mona bis dahin
nur die Gesellschaft von Hunden und sollte sich nicht gleich so verlassen
vorkommen. Mit Verspätung, und daher mitten in der Nacht, kam der Flieger an.
Endlich nahm ich die Transportbox entgegen. Leider war die Box für mein Auto zu
groß. Ich nahm sie auseinander und platzierte die Hündin im Kofferraum,
während unser Doggen-Mix auf dem Beifahrersitz aufgeregt hin und her wuselte.
Erst jetzt auf der Autobahn in Richtung Heimat schossen mir tausend Fragen durch
den Kopf. Was, wenn sie mir jetzt ins Lenkrad springt, was, wenn sie meine
Möbel frisst, oder meine Tiere, oder meine Kinder ??? Vielleicht hätte ich
etwas eher darüber nachdenken sollen. Nach einem längeren, sehr chaotischen
Spaziergang betraten wir - und Mona zum ersten Mal in ihrem Leben - die
Wohnung. Hellwach und aufgedreht rasten die zwei wie irre umher und machten die
Nacht zum Tag. Irgendwann betraten die Katzen die Bühne und jetzt war die
Stunde der Wahrheit gekommen. Zunächst schwänzelte nur der Perser um ihre
Beine, verständnislos für so viel Hektik mitten in der Nacht. Später kam dann
auch unser "Gangsterkater" dazu, schlug ihr rechts und links ein paar
um die Ohren, denn um diese Uhrzeit verstand er wohl keinen Spaß. In diesem
Moment muss Mona wohl klar geworden sein, dass sie niemals eine so wehrhafte
Mahlzeit hatte und sie schloss daraus, dass man Katzen nicht essen kann. Die
Nacht war kurz und unruhig und am nächsten Tag hatte Mona allerhand zu
erkunden. Sie hatte viele andere Tiere kennenzulernen, Kinder, Möbel, Gerüche
... Alles wurde untersucht, angesprungen, zernagt und
draufgesprungen. Die Kinder möchte sie gerne, leider auch ihr Spielzeug. Um ein
bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen, verschafften wir ihr eine neue
Identität, und so wurde aus Mona die liebe WILMA. Zunächst stellten wir Regeln
auf, die im Einzelnen besagten:
1. Hunde stehen nicht auf
Tischen und Fensterbänken.
2. Aus Töpfen und von
Tellern isst man nur mit Messer und Gabel.
3. An der Leine hängt
nicht nur der Hund, sondern auch ein Mensch.
Slalom laufen ausgeschlossen.
4. Kaninchen essen wir
nur mit Rotkohl und Klößen.
5. Der Teppich ist
kein Hundeklo.
6. Menschen begrüßt
man nur auf vier Pfoten stehend.
7. Der Misthaufen ist
kein Hundebad.
8. Die Ausnahme ist,
dass es keine Ausnahme gibt !
In den ersten Tagen muss Wilma wohl gedacht haben, ihr Name
sei "nein, pfui ist das ", aber inzwischen hat sich die
Aufregung gelegt. Sie läuft gesittet mit und ohne Leine, beherrscht
einfache Kommandos wie "sitz", "platz" und "komm"
und ist nach 6 Wochen bereits ein vollwertiges Familienmitglied. Sie ist nicht
nur das süßeste "Wilmchen" der Welt, sondern auch der beste
allabendliche Fußwärmer, den man sich vorstellen kann. Spanien ist immer eine
Reise wert.
Daniela Obst
